Warum der Name dann doch stimmen wird? In der Berliner Zeitung ist heute ein Interview mit Dieter Wiefelspütz veröffentlicht worden, der folgendes dazu zu sagen hat: “Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden [...] Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt.”
Richtig. Das Internet ist ja auch kein rechtsfreier Raum. Schön ist aber an diesem Auszug vor allem, dass Dieter zugibt, worum es letztlich geht: Schleichend die Tatbestände auszuweiten und auszuweiten und auszuweiten. Bis wir dann irgendwann doch die Frage zu beantworten haben, ob denn nun Zensur tatsächlich nicht stattfinde.
Schade ist, dass mit diesem ganzen Thema billigster populistischer Wahlkampf betrieben wird und den nicht informierten Bürgern vorgegaukelt wird, man arbeite an Lösungen während man doch recht eigentlich mit dem Feuer spielt. All diesem Politikern sollte klar sein, dass es tatsächlich kein Internet ohne Recht geben sollte. Daran allerdings arbeiten diese Gestalten mit bemerkenswerter Präzision.
Nachtrag: Oder wie es Wolfgang Bosbach formuliert: “Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät.” Genau: Erstmal mit moralischer Empörung Dinge durchsetzen und dann mal schauen, für was man es noch verwenden kann. Name dieser Taktik: Salamitaktik. Dazu mal was aus der Wikipedia: “Es kann sich aber auch um eine Taktik handeln, die problematische, weil in der Bevölkerung unbeliebte Ziele über einen langen Zeitraum in kleinen, kaum wahrnehmbaren Schritten verwirklicht, die jeder für sich nur eine kleine, scheinbar unbedeutende Änderung darstellen, und somit einer Mehrheit vermittelbar sind (siehe auch Habituation).” Halten die uns für dumm, oder was?
Schon vor ein paar Jahren hatte ich einmal erwähnt, dass Computermäuse für mich elementar wichtig sind. Wer mich schon einmal über die Logitech MX Air hat reden hören, der weiß auch was ich meine, wenn ich sage, dass Logitech für mich mehr als nur ein Lebensgefühl darstellt.
Vor ein paar Wochen hat meine alte V500 nun zu spinnen angefangen. Schrecklich, immerhin ist diese Maus bis heute absolut unerreicht (von der MX Air mal abgesehen, aber das ist ein ganz anderes Thema). Daher bin ich schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Ersatz, denn die V500 gibt es nicht mehr käuflich zu erwerben (ich könnte mich schlagen: Vor einem guten Jahr hatte ich mir ja schon einmal ein zweites Exemplar gekauft. Das würde jetzt gute Dienste leisten).
Lange rede, kurzer Sinn: Am Donnerstag hab ich die V550 für gerade mal 25 € beim Media Markt gesehen und natürlich gekauft. Die neue kann mit der V500 nicht annähernd mithalten, aber immerhin muss ich keine 70 Euro für die MX Air ausgeben, die sich aber definitiv lohnen würden.
Mit etwas Glück wird aber bei Logitech gerade an der V600 gearbeitet, die dann einfach eine V500 mit dem etwas kleineren neuen Empfänger wäre. Und dies wäre allerdings ein Fest für mich (und meinen Geldbeutel).
Man kann zu Computerspielen stehen wie man will. Man kann auch die Sportwürdigkeit in Zweifel ziehen. Aber dass mal wieder die CDU auffällt, mit radikal anti-moderner Politik Jugendkultur zu verbieten ist schon ein starkes Stück.
So sichert man sich garantiert keine Stimmen, zumindest nicht aus der Jugend. Ich hoffe, dass die Wähler endlich anfangen, sich an Entscheidungen der Parteien zu erinnern. Denn dann sollte die CDU jedwede Stimme unserer Generation für immer einbüßen.
Da mir immer gefällt, aus Artikeln zu zitieren, hier auch eins:
“In der technologiefreundlichen Stadt Karlsruhe, in welcher auch das Bundesverfassungsgericht seinen Sitz hat, hätten wir einen solchen Umgang nicht erwartet”, sagt Turtle-Entertainment-Geschäftsführer Ralf Reichert. Die große Distanz zur Jugend und zu den neuen Medien lege einen schweren Generationskonflikt offen.
Ja, einen Generationenkonflikt würde ich hier auch sehen.
Nachtrag: Klar. Mit dieser Politik lassen sich zur Zeit noch Stimmen machen, denn die Alten sind in der Mehrheit. Die Zeit aber wird kommen, in der die alte Generation zu singen anfängt: “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing”. Sie sollen hoffen, dass wir ihnen noch Brot geben.
Nachtrag II: Spiegel Online hat die Ereignisse mal zusammengetragen. Hier erscheint die Sache in einem etwas anderen Licht: Ingo Wellenreuter wollte sich ein etwas klareres politisches Profil verpassen. “Gelungen!”, möchte man ihm entgegenrufen: Deine Partei wird nicht mehr gewählt. Aber trotz allem: Gratulation an Heinz Fenrich. Schade, dass er sich nicht durchsetzen konnte – was gegen Populisten und Hirnverbrannte leider immer sehr schwierig ist; zumal wenn sie mit dem besorgten Bürger daher kommen.
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Wieder ein Artikel auf Spiegel Online, der sich mit der Entwicklungshilfe in Afrika beschäftigt. Der Autor hat einige gute Punkte, wenngleich ich nicht unbedingt alle teile. Egal. Zumindest weist er auf das wirkliche Hauptproblem hin: Die heutige Entwicklungshilfe verursacht vor allem, dass die Reichen und Mächtigen einen Großteil der Gelder für sich nehmen. Gute Wortbildung hier: Kleptokraten. Was immer der Westen tun kann – und hier gehen die Meinungen weit auseinander – entscheidend ist, dass der Bevölkerung geholfen wird, diese Schicht loszuwerden.
Vor zwei Wochen war das neueste T-Shirt bei der Rumpfkluft folgendes: “Fußball ist kein Thema derer, die das Morgen gestalten”. Dazu kann man wohl nicht mehr sagen, oder?
Betrachtet man heute den Fußball-Journalismus, so kommt einem auch sehr schnell das Kotzen. Da werden Vereine nach einem Sieg in den Himmel gelobt und zum Meisterschaftsfavoriten erklärt, und eine Woche später, bei der folgenden Niederlage fast schon zum Abstiegskandidaten abgestempelt. Die meisten Mißstände in der heutigen Presselandschaft sind aber genau auf diesen Mechanismus zurückzuführen. Eine Überschrift muss reißerisch sein und ein Ereignis, das nicht wenigstens den Weltuntergang nach sich ziehen könnte, ist streng genommen schon kaum mehr relevant.
Da ist man so sehr gegen Demokratie, für den Führerstaat und gerne auch gegen unser System. Und dann muss der Parteivorstand um seine Wiederwahl bangen. In den Zeiten der Vorbilder dieser Gestalten hätts das mal nicht gegeben, dass offen auf dem Reichsparteitag ein Gegenkandidat präsentiert wird.
Scheint wohl so, als würde die NPD plötzlich in sich selbst das finden, was sie so sehr bekämpft: Meinungsvielfalt. Möge sie daran ersticken!
Warum überlassen eigentlich gestandene Literaturwissenschaftler die verschiedenen Artikel über Texte und Autoren den ganzen Laien, die meinen, einen Lexikonartikel über Literatur verfassen zu können nur weil sie mal in früherer Zeit lesen gelernt haben? Blickt man dagegen auf Artikel z.B. medizinischen Inhalts, dann fällt auf, dass diese Artikel nur von Experten verfasst werden können (zugegeben: auch das Verstehen bleibt leider Experten vorbehalten).
Lohnenswert wäre aber doch eine entsprechende Qualitätsoffensive, denn dann könnten solche Sätze wenigstens keinen Schaden mehr anrichten (weil sie ja gar nicht mehr da wären):
Hesse ist es auch, der am 27. März 1916 in seinem Gedicht “Beim Wiederlesen des Maler Nolten” (410) das Mörike-Lesegefühl liebevoll, poetisch und ganz präzise in aller Kürze altmeisterlich heraufbeschwört.
Nachzulesen im Artikel über Mörikes Roman Maler Nolten. Welche Wortgruppen passen in dem zitierten Passus nicht zusammen? Genau: 1.) liebevoll und poetisch, 2.) ganz präzise und 3.) altmeisterlich. Vom Lesegefühl ganz zu schweigen.
Und das ist ja bei weitem nicht der schlimmste Fall. Vorschlag: Warum werden denn nicht auch Wikipedia-Artikel als Leistung im Studium anerkannt? Da würde dann eine ganze Armada von Germanistik-Studenten über Wikipedia herfallen und solche Passagen tilgen. Man würde damit aber vielleicht einigen Literaturfreunden mehr als nur auf den Schlips treten. Aber die Mediziner machen das ja auch: Die Einwürfe eines Hypochonders in einen Artikel würden wahrscheinlich binnen Sekunden als Vandalismus erkannt und rückgängig gemacht. So haben wir bei literaturrelevanten Artikeln die umgekehrte Situation: Die Literaturhypochonder haben bereits für ein völliges (Gefühls-)Chaos gesorgt, das beseitigt werden muss.
Telepolis hat heute eine kurze Zusammenfassung einiger Statements zum Thema Killerspiele veröffentlicht. Nett ist doch folgendes Zitat:
eben Verboten setzt Schneider auf die Förderung von Spielen „mit kulturellen Inhalten oder pädagogischem Anspruch“ auf der einen Seite und die Entwicklung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Eltern. Dazu soll es einen „Medienführerschein“ geben, „der Basiswissen vermittelt, Sicherheit im Umgang mit neuen Medien und Spielen verschafft und dies auch dokumentiert”.
Medienführerschein? Eine Wahnsinnsidee: Wenn dieser ‘Führerschein’ auch für Jugendliche zu erwerben ist, dann dürfte es wohl so sein, dass die Lehrer sich weniger damit auskennen, als die Schüler. Und für die Eltern? Wer würde schon von einem Lehrbuch “Einführung in die Killerspielistik” von Christian Pfeiffer ernsthafte Informationen erwarten? Eben: Niemand.
Aber auch: Der Einführung eines Führerscheins zum Trotz gibt es im Straßenverkehr immer noch extrem viele Tote, die aufgrund fahrlässigen Verhaltens zu beklagen – ja zu beweinen – sind. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, das Grundübel zu verbieten: Das Auto! Stattdessen – und man lese den kurzen verlinkten EU-Bericht – werden Programme ins Leben gerufen, die um Rücksichtsnahme im Straßenverkehr werben.
Der Punkt ist hier der folgende: Politische Kampagnen sind manchmal nützlich, führen aber meist zu reiner Symbolpolitik: Unwirksam, aber wenigstens tut man so, als täte man was. Nur bleibt all dies ohne Ergebnis und am Ende soll der Wähler dann dieses Gehabe mit seiner Stimme goutieren.
Der Geist verflüssigt sich bei diesem Geschwätz, um einen Satz aufzunehmen, der in diesem Artikel mehrfach fällt – fällt als Symbol und Versinnbildlichung des Untergangs, der wohl schon hinter uns liegt. Zitat? Aber sicher:
Die Unterschiede zwischen ausgebildeten Experten und einfältigen Laien verwischen, weil jeder Narr einen Blog oder ein Video ins Netz stellen, Einträge abändern oder austauschen kann. [...] der Lärm des Ganzen ist ohrenbetäubend [...] Freiheit und Fluch der Softmoderne zersetzen so ein einst blühendes Ecosystem von Autoren, Journalisten, Musikern und Schauspielern, Dichtern und Denkern. Wenn man diesem Wahnsinn nicht Einhalt gebietet, werden Reflexionen von Web-Zombies Filme, Musik und Bücher ablösen.
Ich denke, dass dieses Zitat doch recht leicht erkennen lässt, worum es dem Autor bei seinen Ausführungen geht. Es geht hier nicht um das geistige Eigentum per se, sondern um die Macht desselben. Es geht hier um den verzweifelten Versuch, ein bürgerlich-elitäres Kulturverständnis zu retten und anderen aufzudrücken.
Reaktionäre verfahren übrigens recht häufig so: Elite und Freiheit sind nicht miteinander kompatibel. Das vermeintlich einfache Volk darf eben doch nicht über sich selbst entscheiden, sondern hat gefälligst das zu lesen oder zu sehen was die Elite will. Da die Elite sich dessen selbstgewiss ist, darf sie das natürlich auch versuchen durchzusetzen.
Freiheit? Doch, das wollen wir wirklich, Herr Liebgeber!
Ich bin gerade bei Spiegel.de mal wieder über einen sehr interessanten Artikel gestolpert. Betrifft diesmal die sehr zahlreichen Ein-Euro-Shops. Ich darf zitieren?
“Hier findet man immer was zum kleinen Preis. [...] Ich kann mich guten Gewissens als Euro-Shop-Gängerin outen” (Kundin)
“Die Geschäfte laufen richtig gut.” (Filialleiterein)
Zu 80 Prozent stammen die Waren aus Asien – China, Vietnam, Philippinen. Spottbillig in Asien einzukaufen, sei das Konzept aller Euro-Shops, erklärt Handelsforscher Roeb. “Was sich in China abspielt, ist einmalig. Eng konzentriert finden sich dort Hunderte Nippes-Hersteller.”
Man lese einmal diesen Artikel über die entsprechenden Fabriken, in denen Artikel für Aldi und Lidl hergestellt werden. Diesmal nur ein kleines Zitat:
“Es handelt sich um Verletzungen von Arbeits- und Frauenrechten, wie sie in der arbeitsintensiven Industrie Chinas durch den Preisdruck von hiesigen Importunternehmen typisch sind”
“Ich kann mich guten Gewissens als Euro-Shop-Gängerin outen.” Das ist die Diktatur des Proletariats: Die Armen beuten die Armen aus. Und die Bourgeoisie hilft dabei. That’s the spirit!