Computerspiel-Event in Karlsruhe abgesagt

Man kann zu Computerspielen stehen wie man will. Man kann auch die Sportwürdigkeit in Zweifel ziehen. Aber dass mal wieder die CDU auffällt, mit radikal anti-moderner Politik Jugendkultur zu verbieten ist schon ein starkes Stück.

So sichert man sich garantiert keine Stimmen, zumindest nicht aus der Jugend. Ich hoffe, dass die Wähler endlich anfangen, sich an Entscheidungen der Parteien zu erinnern. Denn dann sollte die CDU jedwede Stimme unserer Generation für immer einbüßen.

Da mir immer gefällt, aus Artikeln zu zitieren, hier auch eins:

“In der technologiefreundlichen Stadt Karlsruhe, in welcher auch das Bundesverfassungsgericht seinen Sitz hat, hätten wir einen solchen Umgang nicht erwartet”, sagt Turtle-Entertainment-Geschäftsführer Ralf Reichert. Die große Distanz zur Jugend und zu den neuen Medien lege einen schweren Generationskonflikt offen.

Ja, einen Generationenkonflikt würde ich hier auch sehen.

Nachtrag: Klar. Mit dieser Politik lassen sich zur Zeit noch Stimmen machen, denn die Alten sind in der Mehrheit. Die Zeit aber wird kommen, in der die alte Generation zu singen anfängt: “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing”. Sie sollen hoffen, dass wir ihnen noch Brot geben.

Nachtrag II: Spiegel Online hat die Ereignisse mal zusammengetragen. Hier erscheint die Sache in einem etwas anderen Licht: Ingo Wellenreuter wollte sich ein etwas klareres politisches Profil verpassen. “Gelungen!”, möchte man ihm entgegenrufen: Deine Partei wird nicht mehr gewählt. Aber trotz allem: Gratulation an Heinz Fenrich. Schade, dass er sich nicht durchsetzen konnte – was gegen Populisten und Hirnverbrannte leider immer sehr schwierig ist; zumal wenn sie mit dem besorgten Bürger daher kommen.

Entwicklungshilfe – warum die Durchführung mangelhaft ist

Wieder ein Artikel auf Spiegel Online, der sich mit der Entwicklungshilfe in Afrika beschäftigt. Der Autor hat einige gute Punkte, wenngleich ich nicht unbedingt alle teile. Egal. Zumindest weist er auf das wirkliche Hauptproblem hin: Die heutige Entwicklungshilfe verursacht vor allem, dass die Reichen und Mächtigen einen Großteil der Gelder für sich nehmen. Gute Wortbildung hier: Kleptokraten. Was immer der Westen tun kann – und hier gehen die Meinungen weit auseinander – entscheidend ist, dass der Bevölkerung geholfen wird, diese Schicht loszuwerden.

Rumpfkluft

Vor zwei Wochen war das neueste T-Shirt bei der Rumpfkluft folgendes: “Fußball ist kein Thema derer, die das Morgen gestalten”. Dazu kann man wohl nicht mehr sagen, oder?

Betrachtet man heute den Fußball-Journalismus, so kommt einem auch sehr schnell das Kotzen. Da werden Vereine nach einem Sieg in den Himmel gelobt und zum Meisterschaftsfavoriten erklärt, und eine Woche später, bei der folgenden Niederlage fast schon zum Abstiegskandidaten abgestempelt. Die meisten Mißstände in der heutigen Presselandschaft sind aber genau auf diesen Mechanismus zurückzuführen. Eine Überschrift muss reißerisch sein und ein Ereignis, das nicht wenigstens den Weltuntergang nach sich ziehen könnte, ist streng genommen schon kaum mehr relevant.

Schon bitter für die NPD

Da ist man so sehr gegen Demokratie, für den Führerstaat und gerne auch gegen unser System. Und dann muss der Parteivorstand um seine Wiederwahl bangen. In den Zeiten der Vorbilder dieser Gestalten hätts das mal nicht gegeben, dass offen auf dem Reichsparteitag ein Gegenkandidat präsentiert wird.

Scheint wohl so, als würde die NPD plötzlich in sich selbst das finden, was sie so sehr bekämpft: Meinungsvielfalt. Möge sie daran ersticken!

Die Literaturgeschichte bei Wikipedia

Warum überlassen eigentlich gestandene Literaturwissenschaftler die verschiedenen Artikel über Texte und Autoren den ganzen Laien, die meinen, einen Lexikonartikel über Literatur verfassen zu können nur weil sie mal in früherer Zeit lesen gelernt haben? Blickt man dagegen auf Artikel z.B. medizinischen Inhalts, dann fällt auf, dass diese Artikel nur von Experten verfasst werden können (zugegeben: auch das Verstehen bleibt leider Experten vorbehalten).

Lohnenswert wäre aber doch eine entsprechende Qualitätsoffensive, denn dann könnten solche Sätze wenigstens keinen Schaden mehr anrichten (weil sie ja gar nicht mehr da wären):

Hesse ist es auch, der am 27. März 1916 in seinem Gedicht “Beim Wiederlesen des Maler Nolten” (410) das Mörike-Lesegefühl liebevoll, poetisch und ganz präzise in aller Kürze altmeisterlich heraufbeschwört.

Nachzulesen im Artikel über Mörikes Roman Maler Nolten. Welche Wortgruppen passen in dem zitierten Passus nicht zusammen? Genau: 1.) liebevoll und poetisch, 2.) ganz präzise und 3.) altmeisterlich. Vom Lesegefühl ganz zu schweigen.

Und das ist ja bei weitem nicht der schlimmste Fall. Vorschlag: Warum werden denn nicht auch Wikipedia-Artikel als Leistung im Studium anerkannt? Da würde dann eine ganze Armada von Germanistik-Studenten über Wikipedia herfallen und solche Passagen tilgen. Man würde damit aber vielleicht einigen Literaturfreunden mehr als nur auf den Schlips treten. Aber die Mediziner machen das ja auch: Die Einwürfe eines Hypochonders in einen Artikel würden wahrscheinlich binnen Sekunden als Vandalismus erkannt und rückgängig gemacht. So haben wir bei literaturrelevanten Artikeln die umgekehrte Situation: Die Literaturhypochonder haben bereits für ein völliges (Gefühls-)Chaos gesorgt, das beseitigt werden muss.