Monthly Archive for April, 2009

Entwicklungshilfe – warum die Durchführung mangelhaft ist

Wieder ein Artikel auf Spiegel Online, der sich mit der Entwicklungshilfe in Afrika beschäftigt. Der Autor hat einige gute Punkte, wenngleich ich nicht unbedingt alle teile. Egal. Zumindest weist er auf das wirkliche Hauptproblem hin: Die heutige Entwicklungshilfe verursacht vor allem, dass die Reichen und Mächtigen einen Großteil der Gelder für sich nehmen. Gute Wortbildung hier: Kleptokraten. Was immer der Westen tun kann – und hier gehen die Meinungen weit auseinander – entscheidend ist, dass der Bevölkerung geholfen wird, diese Schicht loszuwerden.

Rumpfkluft

Vor zwei Wochen war das neueste T-Shirt bei der Rumpfkluft folgendes: “Fußball ist kein Thema derer, die das Morgen gestalten”. Dazu kann man wohl nicht mehr sagen, oder?

Betrachtet man heute den Fußball-Journalismus, so kommt einem auch sehr schnell das Kotzen. Da werden Vereine nach einem Sieg in den Himmel gelobt und zum Meisterschaftsfavoriten erklärt, und eine Woche später, bei der folgenden Niederlage fast schon zum Abstiegskandidaten abgestempelt. Die meisten Mißstände in der heutigen Presselandschaft sind aber genau auf diesen Mechanismus zurückzuführen. Eine Überschrift muss reißerisch sein und ein Ereignis, das nicht wenigstens den Weltuntergang nach sich ziehen könnte, ist streng genommen schon kaum mehr relevant.

Schon bitter für die NPD

Da ist man so sehr gegen Demokratie, für den Führerstaat und gerne auch gegen unser System. Und dann muss der Parteivorstand um seine Wiederwahl bangen. In den Zeiten der Vorbilder dieser Gestalten hätts das mal nicht gegeben, dass offen auf dem Reichsparteitag ein Gegenkandidat präsentiert wird.

Scheint wohl so, als würde die NPD plötzlich in sich selbst das finden, was sie so sehr bekämpft: Meinungsvielfalt. Möge sie daran ersticken!

Die Literaturgeschichte bei Wikipedia

Warum überlassen eigentlich gestandene Literaturwissenschaftler die verschiedenen Artikel über Texte und Autoren den ganzen Laien, die meinen, einen Lexikonartikel über Literatur verfassen zu können nur weil sie mal in früherer Zeit lesen gelernt haben? Blickt man dagegen auf Artikel z.B. medizinischen Inhalts, dann fällt auf, dass diese Artikel nur von Experten verfasst werden können (zugegeben: auch das Verstehen bleibt leider Experten vorbehalten).

Lohnenswert wäre aber doch eine entsprechende Qualitätsoffensive, denn dann könnten solche Sätze wenigstens keinen Schaden mehr anrichten (weil sie ja gar nicht mehr da wären):

Hesse ist es auch, der am 27. März 1916 in seinem Gedicht “Beim Wiederlesen des Maler Nolten” (410) das Mörike-Lesegefühl liebevoll, poetisch und ganz präzise in aller Kürze altmeisterlich heraufbeschwört.

Nachzulesen im Artikel über Mörikes Roman Maler Nolten. Welche Wortgruppen passen in dem zitierten Passus nicht zusammen? Genau: 1.) liebevoll und poetisch, 2.) ganz präzise und 3.) altmeisterlich. Vom Lesegefühl ganz zu schweigen.

Und das ist ja bei weitem nicht der schlimmste Fall. Vorschlag: Warum werden denn nicht auch Wikipedia-Artikel als Leistung im Studium anerkannt? Da würde dann eine ganze Armada von Germanistik-Studenten über Wikipedia herfallen und solche Passagen tilgen. Man würde damit aber vielleicht einigen Literaturfreunden mehr als nur auf den Schlips treten. Aber die Mediziner machen das ja auch: Die Einwürfe eines Hypochonders in einen Artikel würden wahrscheinlich binnen Sekunden als Vandalismus erkannt und rückgängig gemacht. So haben wir bei literaturrelevanten Artikeln die umgekehrte Situation: Die Literaturhypochonder haben bereits für ein völliges (Gefühls-)Chaos gesorgt, das beseitigt werden muss.

Killerspiele!

Telepolis hat heute eine kurze Zusammenfassung einiger Statements zum Thema Killerspiele veröffentlicht. Nett ist doch folgendes Zitat:

eben Verboten setzt Schneider auf die Förderung von Spielen „mit kulturellen Inhalten oder pädagogischem Anspruch“ auf der einen Seite und die Entwicklung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Eltern. Dazu soll es einen „Medienführerschein“ geben, „der Basiswissen vermittelt, Sicherheit im Umgang mit neuen Medien und Spielen verschafft und dies auch dokumentiert”.

Medienführerschein? Eine Wahnsinnsidee: Wenn dieser ‘Führerschein’ auch für Jugendliche zu erwerben ist, dann dürfte es wohl so sein, dass die Lehrer sich weniger damit auskennen, als die Schüler. Und für die Eltern? Wer würde schon von einem Lehrbuch “Einführung in die Killerspielistik” von Christian Pfeiffer ernsthafte Informationen erwarten? Eben: Niemand.

Aber auch: Der Einführung eines Führerscheins zum Trotz gibt es im Straßenverkehr immer noch extrem viele Tote, die aufgrund fahrlässigen Verhaltens zu beklagen – ja zu beweinen – sind. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, das Grundübel zu verbieten: Das Auto! Stattdessen – und man lese den kurzen verlinkten EU-Bericht – werden Programme ins Leben gerufen, die um Rücksichtsnahme im Straßenverkehr werben.

Der Punkt ist hier der folgende: Politische Kampagnen sind manchmal nützlich, führen aber meist zu reiner Symbolpolitik: Unwirksam, aber wenigstens tut man so, als täte man was. Nur bleibt all dies ohne Ergebnis und am Ende soll der Wähler dann dieses Gehabe mit seiner Stimme goutieren.