Monthly Archive for May, 2008

Kurt Beck – Nah am Abgrund

Sicher: Meinungsumfragen sollten immer mit einer gesunden Portion Skepsis betrachtet werden. Niemand sollte seine Meinung oder seine Taten von diesen Umfragen abhängig machen. Wenn sich aber das gleiche Spielchen Woche für Woche wiederholt, dann ist es irgendwann an der Zeit, Konsequenzen zu ziehen. Man kann sagen, dass die Zeit gegen Kurt Beck spielt. Dass er dem Schwanengesang einiger weniger SPDler erlegen ist war wohl ein kapitaler Fehler, wie der Spiegel berichtet. 73 % der Befragten zeigen sich Köhler-orientiert und auch bei SPD-Anhängern ist die Zustimmung zu Köhler nicht entscheidend niedriger. Ein Glaubwürdigkeitsproblem hat der Ex-Chef-in-spe auch nicht mehr: Er müsste noch ein wenig Glaubwürdigkeit besitzen, um ein entsprechendes Problem zu haben. So sehen wir also nach Nürnberg und betrachten das Elend, das da kommen wird. Eine letzte Chance für Kurt Beck. Aber um die zu nutzen müsste er wohl schon abdanken. Und dies wäre allerdings ein Fest für uns.

MGMT

Am Montag kam es dann zur vierten und vorläufig letzten Station meiner kleinen Konzert-Tour. Schon Anfang März war ich mit Stefan in Berlin um MGMT live zu sehen. Damals waren sie noch recht unbekannt und hatten (auch in Berlin) nur wenig überzeugte Fans, was dem Abgeh-Faktor des Konzerts damals nicht gerade zuträglich war. Und das obwohl die Band selbst eine hervorragende Performance hingelegt hat.

Fast drei Monate später in München: Zwischenzeitlich hat Spiegel Online MGMT in den Sub-Mainstream erhoben und es sind einige Fans hinzu gekommen. Beste Voraussetzungen also für einen riesigen Konzertabend. Und der sollte auch kommen. Musikalisch auf höchstem Niveau, dabei aber insgesamt zurückhaltend was die Interaktion mit dem Publikum anbelangt, wurden vor allem Lieder von Oracular Spectacular gespielt.

Dass das Publikum gerade bei den bekannteren Liedern wie Time to Pretend und Kids mitgegangen ist war kein Wunder. Bei unbekannteren Liedern wiederum hielt sich das Publikum etwas bedeckter, aber es verhielt sich bei weitem nicht still. Vor allem Kids war ganz zum Schluss der krönende Abschluss eines fantastischen Konzerts.

Ein Wort zur Vorband darf allerdings in diesem Fall nicht fehlen. Denn Florence & The Machine waren richtig gut. Musikalisch würde ich sie vielleicht zwischen Björk und Rock/Pop einordnen, aber mit solchen Einordnungen war ich schon immer schlecht. Am besten hört man sich auf der verlinkten MySpace-Seite einfach mal ein paar Lieder an. Und wenn Florence mit ihren Mitstreitern mal wieder hier sind, dann geht man einfach mal aufs Konzert. Eine super Begleitung und Ergänzung für MGMT.

Soundnugget Live

Die dritte Station meiner Konzert-Woche ist nach PeterLicht und Die Ärzte nun am Samstag Soundnugget gewesen. Soundnugget ist eine Nachwuchs-Band aus Karlsruhe, die im Substage ihr erstes Album vorgestellt haben.

Während sich das Album “Champagne & Panties” als sehr “Red Hot Chili Pepper”-nah bezeichnen lässt, ist die Live-Version von Soundnugget insgesamt rockiger, was mir persönlich übrigens sehr gut gefällt. Der Auftritt selber war ziemlich gut. Vor allem der Sänger ist auf der Bühne offensichtlich in seinem Element, springt rum und macht besonders im Zusammenspiel mit seinen Band-Kollegen eine gute Figur. An der Performance ist auch der Bassist beteiligt, der auch ständig in Bewegung ist und dazu beiträgt, dass Musik und Auftritt eine Einheit ergeben. Schade, dass der Gitarrist weniger auf der Bühne unterwegs ist, aber seine Sache (wie auch der Schlagzeuger) sehr gut macht.

Zwar ist das Publikum nicht so stark mitgegangen, aber die Stimmung war trotzdem sehr gut und der Abend auf jeden Fall gelungen. Gezeigt hat der Abend, dass Soundnugget durchaus das Potential haben, das Publikum zu begeistern und mitzunehmen.

Übrigens hat sich auch ein KA.mpus-Redaktuer mit Soundnugget auseinandergesetzt. Seine Rezension stellt das Album näher vor.

Die Verzweiflungstat des Kurt Beck

Und jetzt machen sie es wirklich. Geht es nach dem Willen der SPD, dann soll Gesine Schwan Bundespräsidentin werden. Was den SPD-Granden vielleicht gefällt, scheint mir in der derzeitigen Situation der Großen Koalition mehr als fatal zu sein: Die Töne der letzten Wochen deuten nicht darauf hin, dass nun mal ein paar Problemchen angepackt werden, sondern dass der Wahlkampf 2009 nun endlich begonnen hat. Die nächsten eineinhalb Jahre werden wohl kaum von großen Durchbrüchen gekennzeichnet sein. Im Gegenteil: Lagerk(r)ämpfe, Angriffe und hoffnungsfrohe Ankündigungen für “die Zeit danach” werden an der Tagesordnung stehen. Und es kommt dann wie es kommen muss: Die SPD als Junior-Partner von Schwarz-Gelb in der ersten Belgien-Koalition: Schwarz-Gelb-Rot, weil den “Bürgerlichen” vier Prozent fehlen und die SPD ganz elegant mit 6,5 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde geknackt hat (und die Grünen ein Ministeramt wollen…).

Mit etwas Glück gibt vorher es Neuwahlen: Italien, wir kommen.

Die Ärzte in Karlsruhe

Am Freitag war es soweit: Nach langer Wartezeit war endlich Einlass und das Warten auf Die Ärzte konnte immerhin in der Europahalle fortgesetzt werden. Einige Zeit später gehts los. Von Beginn an haben Band und Publikum keine Eingewöhnungsschwierigkeiten, denn es geht gleich zur Sache. Die drei auf der Bühne sind ganz gut aufgelegt, spielen ihre Songs mit hoher Professionalität und das in einer Halle, die zwar optisch wenig hermacht, aber zumindest akustisch zu überzeugen weiß.

Musikalisch betrachtet spielt die Band viele neue Lieder, aber auch die guten alten Klassiker wie Westerland, Schrei nach Liebe und Zu Spät. Extrem ist es anzusehen, wie sich bei Junge ein riesiger Kreis im Publikum bildet, der dann in “Herr der Ringe”-Manier sich dadurch auflöst, dass alle pogend in die Mitte rennen. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mitten im Publikum stand, muss ich zugeben, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich da gerne dabei gewesen wäre. Ich glaube fast: Ja.

Routiniert werden noch zwei Zugaben gespielt und nach etwa zweieinhalb Stunden ist das Konzert dann auch schon vorüber. Es bleibt die Einsicht, dass Die Ärzte eine super Live-Band sind, was vor allem daran liegt, dass sie genügend Fans haben, die die Stimmung von Anfang bis Ende hoch halten. Die Größe der Veranstaltung hat aber auch seine Schattenseiten: Es kommt schnell das Gefühl auf, es handele sich eben um einen routinierten Auftritt einer sehr professionellen Band, die schon sehr viel gewöhnt ist.

Es wird wohl nicht mein letztes Ärzte-Konzert gewesen sein. Das ist mal sicher.

Was lange währt, wird endlich gut?

Na, man hats ja schon fast nicht mehr für möglich gehalten: Burma will jetzt doch ausländische Hilfe akzeptieren, wie der Spiegel berichtet. So viel kann man wohl sagen: Das ist mehr als eine gute Nachricht für alle Opfer des Wirbelsturms. Vielleicht kann es auch eine gute Nachricht für die Hilfsorganisationen sein, die jetzt etwas mehr Spenden eintreiben können, da das Geld ja nun endlich dort ankommen kann, wo es hin soll.

Vieles spriucht aber dagegen: Mehr Spenden kommen nur mit einem emotionalen Bild oder Film aus dem Krisengebieten. Von Reportern aber ist nicht die Rede, wenn zugesichert wird, alle Helfer könnten ins Land kommen. Ohne fesselnde Presseberichte aber wird es zu keinem Spenden-Sturm kommen.

Außerdem muss der Regierung Burmas vorgehalten werden, dass die Hilfe mit drei Wochen Verzögerung viel zu spät kommt. Und mit viel ist ungefähr drei Wochen gemeint. Vielen Opfern wird man mangels Lebenszeichen schon nicht mehr helfen können. Während also nun die ‘Erste Hilfe’ anrollt, sollte längst eine Normalisierung der Situation stattgefunden haben.

So aber werden wir uns weiter gedulden müssen, bis wir wissen, was diese (gute) Nachricht in Wahrheit wert ist. Eine wichtige Erkenntnis aber haben wir gewinnen können: Im Falle einer solchen Katastrophe kann man sich auf totalitäre Regime nicht verlassen. Aber auch nicht auf deren Gegenspieler, die internationale Gemeinschaft, denn die geht mit solchen Regierungen manchmal doch zu zahm um. “Was lange währt, wird endlich schlecht” ist man versucht zu denken. Hoffen wir es nicht.

KA.mpus Rocks Da World

Yeah! Heute ist die neue KA.mpus-Ausgabe endlich gedruckt und erschienen. Was lange währt wird endlich gut: Ein super Cover, super Artikel und eine insgesamt Elite-Attitude versprechen ein Lese-Erlebnis, wie vielleicht noch nie zuvor. Die wohl häufigste Frage wird wohl diese sein: Haben die von der Druckerei wohl das Heft falsch gelocht? Nein! Einfach umdrehen und schon leuchtet das Heft in allen nur erdenklichen Farben – selbst ohne optischen Randausgleich, der aber mit der nächsten Ausgabe Standard werden wird.

The Nightmare Begins

“Herr Kluge! Wussten Sie schon, dass es nun auch einen Bachelorprüfungs-Termin am 20. August geben wird?” – “Genau für den will ich mich gerade anmelden.”

Das sagt Cartman dazu: “Time! Time is what we need, but time is something that we ain’t got!” (Lil’ Crime Stoppers)

PeterLicht in Karlsruhe

Gestern Abend war PeterLicht in Karlsruhe. Einst mit seinem Underground-Sommerhit Sonnendeck bekannt geworden, hat er sich später vielfältig den aktuellen Problemen unserer Generation gewidmet. Womit wir auch schon beim ersten Höhepunkt des Konzerts sind: Als das ganze Publikum “Wir machen uns eben Soohoorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt” sicherlich drei oder vier Minuten sang war das schon ganz stark. Auch eine Lesung seiner 3Sat-Publikumspreis-gekrönten Kurzerzählung Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends war super, zumal er die Geschichte in mehreren Teilen von Musik unterbrochen vorgelesen hat (bezeichnenderweise tatsächlich von einem einfachen Computerausdruck – kaum Patinaerwerbswürdig).

Die musikalische Begleitung war auch exzellent. Mit einem Schlagzeuger, der teilweise auf Bananenkisten gespielt hat, einem Pianisten, der zusätzlich einige Keyboard-Töne beisteuern konnte und einem Gitarre, Bass und (mutmaßlich) E-Ukulele Spielenden war die Umsetzung der sonst eher Elektro-lastigen Musik von PeterLicht durchaus machbar. Dass vor allem geklappt hat, die Elektro-Parts in ‘handgemachte’ Musik umzuwandeln war mir persönlich natürlich eine Offenbarung, so dass ich vehement eine Live-CD fordern muss – denn es wäre schade, könnten diese Eindrücke nicht hier und da mal wieder aufgefrischt werden.

So vieles wäre noch zu loben, aber das waren vielleicht die wichtigsten Punkte. Eine Beobachtung aber dann doch noch: Mir schien, als hätten die vier Musiker die Standing Ovations durchaus berührt.

Fazit: Ein toller Konzertabend. PeterLicht sollte man sich echt nicht entgehen lassen, wenn er denn mal in der Nähe ist.

Mit diesem Artikel ist der Auftakt für eine kleine Konzert-Session von mir erschienen. Die nächsten Konzerte werden dann Die Ärzte, Soundnugget und MGMT sein. Bis nächsten Montag Abend also noch allerlei musikalische Highlights. Dass dazu auch jeweils ein Bericht hier erscheinen wird, dafür gebe ich Ihnen mein Ehrenwort. Ich wiederhole: Mein Ehrenwort.

SPD, o weh!

An diesem Punkt muss ich zugeben, dass die SPD für mich als Wahlentscheidung auf absehbare Zeit nicht mehr in Frage kommen kann. Schon das herumlavieren mit der Linkspartei war mir suspekt. Aber notfalls konnte ich damit leben, zumal die SPD ja keinen Linkspartei-Koalitionsautomatismus einführen wollte: Wer in seinem Bundesland meint, mit dieser Truppe regieren zu können, soll das eben auch tun (solange keine Hardcore-Sozialisten am Werk sind).

Aber dann das: Die SPD will einen eigenen Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl vorschlagen und kommt dann auch noch mit der blassen Gesine Schwan daher, die vor vier Jahren schon zurecht gegen Horst Köhler verloren hat. Und Horst Köhler macht seinen Job ja weitestgehend ganz gut: Er mischt sich ein, soweit er sich einzumischen hat und lässt ansonsten die Alltagspolitik Alltagspolitik sein.

Es steht der SPD nicht gut, auch nur einen Gedanken an einen anderen Kandidaten als Horst Köhler zu verschwenden.

Richtig ist aber auch, dass die Sache mit dem Bundespräsidenten nur eine Randnotiz ist. Viel schwerer wiegt, wie sich die SPD zum Thema Treffen mit dem Dalai Lama verhält. Nur weil der Außenminister scheinbaren Mut beweisen mag, indem er nicht mit einer Person redet, mit der sich die chinesische Regierung bald unterhalten will, auf die Entwicklungsministerin einzuschlagen, die sich dieser Unlogik nicht unterwirft, zeugt von einer völligen programmatischen Leere: Menschenrechte sind solange wichtig, wie es nicht andere Kriterien gibt, welche sie auch immer seien mögen. Wer sich als Partei der Menschenrechte versteht, muss sich mit dem Dalai Lama treffen und sei es nur als ein Zeichen, als ein Bild. Solange aber die Bilderstürmer Steinmeier und Beck am Ruder sind, solange darf es zu solchen sichtbaren Zeichen nicht kommen. Das allerdings ist konsequent: Berüchtigt ist noch die Aussage von Steinmeier vor einigen Kameras, die er völlig regungslos tätigte: “Ich bin zutiefst betroffen, …” Der Rest ist schon belanglos.

Solange Kurt Beck und Walter Steinmeier in der SPD den Kurs vorgeben, ist die SPD für mich eine unwählbare Partei.