Videotelefonie – eine mögliche Zukunft

Zugegeben. Es ist Sonntag mittag und ich sitze zuhause. Und – wie soll ich es schreiben – ich ärgere mich. Ich ärgere mich, weil ich ein Buch aus einer Bibliothek brauche, die sich nicht in Karlsruhe befindet, sondern in München. Zum ausleihen eines Buches dort benötige ich jedoch einen Benutzerausweis, den ich nur direkt in München beantragen kann. München, Karlsruhe: Das Problem scheint ersichtlich.

Und eben in diesem Zusammenhang hatte ich eine Vision. Im Zeichen des Internets, des virtuellen Einkaufens und vielleicht des insgesamt virtuellen Lebens und Kommunizierens wirkt diese Pflicht zur persönlichen – realen – Präsenz anachronistisch. Und die Lösung für dieses Problem könnte in der Videotelefonie liegen: Man rufe nur bei der entsprechenden Stelle an, ist virtuell dort, und alle Formalitäten könnten über eine Unterhaltung via Videotelefon abgewickelt werden. Dank eines weiteren Datenkanals, der bei dieser Technik vorzusehen ist, könnten Dokumente ausgetauscht werden, und somit auch der Postweg entfallen, könnten doch Ausweiskopien (dazu gleich mehr), Bescheinigungen und ähnliches mit zwei Klicks “über die Theke gereicht werden”.

Es braucht nicht mehr viel, um diese Vision Realität werden zu lassen. Es wird allen voran die digitale Unterschrift benötigt. Dazu kommt noch die Forderung an die weitestgehende Fälschungssicherheit der Videodaten, also eine Garantie dafür, daß die Videodaten, die empfangen werden auch tatsächlich live und unverändert von der Gegenstelle empfangen werden. Eine Videoverbindung, bei der die eine Stelle live, die andere aber (über welche technischen Tricks auch immer) manipulierte, veränderte oder schon zuvor aufgenommene Bilder überträgt, wäre kaum mehr durch das Attribut “verlässlich” zu kennzeichnen.

Der heutige Personalausweis könnte automatisch auch als digitale Variante an den Bürger übergeben werden. Damit würden (endlich!) analoge Kopien des Ausweises hinfällig werden. Es bedürfte nur eines Klicks innerhalb des Programmes, und der Ausweis wäre als Kopie übertragen (die Kopie wäre nicht identisch mit dem digitalen Ausweis!).

Eine offene Videotelefonie-Plattform wäre außerdem für diese meine Vision nötig. Dies dafür, daß verschiedene Möglichkeiten des Anschlusses auf beiden Seiten möglich sein müssen. Ein öffentlich zugänglicher Automat zum Beispiel, oder auch ein einfaches Programm, das auf einem Computer läuft, genauso wie eine kleine “Videotelefoniebox” die in der Wohnung steht.

Die Möglichkeiten einer solchen Technik wären immens! Man stelle sich nur vor:

  • Virtuelle Sprechstunde beim Arzt, Dozent oder aber auch beim Bundestagabgeordneten.
  • Videokonferenzen einer Referatsgruppe
  • Virtuelle Tutorien oder Gremiensitzungen
  • Und so vieles mehr!
  • Und das beste daran: All dies wäre von überall her möglich. Keine Ortsbindung mehr! Nur noch die gemeinsame Zeitbindung!

Vielleicht als einzige entscheidende (technische) Voraussetzung wäre ein breitbandiger Internet-Zugang zu nennen.

Ich gebe zu, daß dies alles hier vielleicht zu technik-euphorisch ist. Ich gebe zu, daß diese Vorstellung vielleicht keine schnelle Realisierung erfahren kann. Aber ich betone: Es ist möglich. Ich wiederhole: Es ist möglich!

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Nun mal nur so...
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3 Responses to Videotelefonie – eine mögliche Zukunft

  1. Saborowski Tim says:

    Und zum Glück nie wieder echte Menschen treffen müssen *G*

  2. HG says:

    Na eben nicht. Diese Idee bezieht sich ja nicht auf das private Leben, sondern zunächst vielmehr auf offizielle Anlässe, die meine Anwesenheit erfordern, obwohl es für mich schwer ist, diese Anwesenheit zu gewährleisten. (siehe Beispiel Bib-Ausweis erstellen). Ich habe ja auch bewußt darauf verzichtet, private Kommunikationsorte als Beispiele für die Anwendung einer solchen Technologie anzugeben, da ich mir durchaus nicht vorstellen kann, daß “Videotelefonie” ein Ersatz für persönliche Kommunikation vor Ort sein kann.

    Sie kann aber bei vielen Gelegenheit die persönliche Erfahrung bereichern: Ein Telefongespräch mit der Hotline zum Beispiel. Die Person gegenüber könnte sichtbar und hörbar sein, die persönliche Nähe also sogar gefördert werden.

  3. Saborowski Tim says:

    Naja trotzdem führt das sicherlichz zu einer weiteren entfremdung bestimmter Berufsgruppen von ihrer arbeit, und wird über kurz oder lang zu einer 2 klassen gesellschaft führen. Auch wenn das nichtb deine Absicht ist, das ist mir schon klar, wäre damit die Bedingung der Möglichkeit gegeben alles von zu Hause aus zu tun und keinen schritt mehr hinaus zu setzen.
    Stell dir dann mal das Videokonferenz Klassenzimmer vor. Mehr Zeit die Kinder vor dem PC verbringen. ´Der Lernort Natur würde damit immer mehr verloren gehen.

    Sicherlich war meine Behauotung zu knapp und provokant und natürlich bringt das auch Vorteile mit sich.

    Ich fänds auch schöner mit meiner Freundin telefonieren zu können und sie dabei zu sehen.
    Ich sehe halt nur große Gefahren.

    Ich hoffe wir bekommen mal wieder die Gelegenheit das in Ruhe bei nem Guten Glas echtem Bier und vor allem face to face zu diskutieren

    Adioso
    Tim