Es muß Ende Juni gewesen sein, da hatte ich bereits vor, an dem strahlenden Image von BILDblog zu kratzen. Ich vermag nicht mehr zu sagen, um welches Thema es damals ging – eins ist mir aber seither immer im Bewußtsein geblieben: So über-toll sind sie nicht. Und die Leser von BildBLOG (jepp – absichtlich so geschrieben, das sei dem aufmerksamen Beobachter versichert) halten sich gerne für die klügsten und kritischsten, die diese Welt gesehen hat.
Es ist müßig, sich mit BildBLOG auseinander zu setzen. Es ist müßig, weil die Argumentation sehr vielschichtig verläuft. Weil jeder Versuch meinerseits so ausufert, so daß niemand den Eintrag bis zum Ende lesen würde. Daher hier ein neuer Versuch. Ich stelle einfach mal ein paar Fragen, die jeder für sich beantworten kann. Und vielleicht ergibt sich in den Kommentaren eine kleine Diskussion darüber, was ich sehr begrüßen würde.
- Warum werden gute Artikel (zumindest auf BILDonline) nicht erwähnt? Wie beispielsweise der Artikel über das Verhalten von Kai Pflaume in der Turm-Spring-Show von Stefan Raab (unbedingt lesen. Einige Sätze sind fantastisch!)? Ergo: BildBLOG kennt kein Lob.
- Warum kann man Artikel auf BildBLOG nicht kommentieren? Sich zum Beispiel auf die Technik (von wegen langsamer Server) herauszureden
istwäre eins: unredlich, undwirdwürde nicht akzeptiert. - Ist die Masse der Menschen wirklich doof, wie manche Einträge auf BildBLOG suggerieren?
- Sind alle Fehler, die BildBLOG moniert wirklich so tragisch?
- Ist einfache Kritik am offensichtlichen wirklich so toll, daß wir uns als die Könige betrachten dürfen? Kritik ist wichtig, aber blinde Kritik ist vor allem eins: gefährlich.
Weder ist Bild toll, noch will ich sagen, daß BILDblog per se schlecht ist. BildBLOG täte nur gut daran, etwas ausgewogener zu berichten. Und vor allem folgendes verstehen: “offensichtlich unwahr” bedeutet eben nicht “absolute und unumstößliche Wahrheit” (Vor allem das zweite Zitat und der dazugehörige Kommentar). “Offensichtlich unwahr” wäre zum Beispiel zu behaupten, die Erde bestehe zu 90% aus Plutonium. Hingegen wäre die Aussage “Wir haben zehn Menschen entlassen. Aber nur deswegen, weil ihre Arbeitsleistung und -qualität nicht gut genug war.” nicht offensichtlich unwahr – es könnte ja sein, daß dem tatsächlich so ist.
Hmm. Jetzt ist das wieder zu lang gewesen. BILDblog ist schon ganz in Ordnung. Man muß schon etwas tiefer kriechen, um diesen Blog auszuhebeln. Ich werds bei Gelegenheit nochmal versuchen. Dann aber kürzer. Versprochen.
Update: Für ein bißchen Material darüber, wie schwer es heutzutage ist, über gut und schlecht zu urteilen, informiere man sich auf folgenden Internetseiten:
- BILDblog. Ein Artikel, in dem bearbeitet wird, inwieweit Google bei einem Mord geholfen haben könnte.
- Nun. Ich bin hart: Spiegel. Genauer: Der Netzwelt-Spiegel. Hier ein Bericht über die Fehler in einem Spiegel-Artikel, der selbiges Problem behandelt. (Leider ist der Spiegelartikel nicht mehr kostenlos… Hmm. Warum nur? =;D )
nur kurz
zu 2.) das war nie unsere begründung
zu 4.) nein, deshalb steht oben rechts auf unserer seite: “… die kleinen merkwürdigkeiten und das große schlimme”.
zu 5.) wer betrachtet sich als könige? BILDblog?
Hallo Lupo!
Danke für deinen Kommentar. Dazu aber ein paar kleine Anmerkungen:
zu 2.) Es ist natürlich richtig, daß ihr das nicht in dieser Weise als Begründung verwendet. Gemeint ist der zweite Satz auch mehr als Beispiel. Der Satz wäre im Konjunktiv besser aufgehoben.
Und auf der anderen Seite verstehe ich auch, daß Kommentare auf vielbesuchten Webseiten zu gewissen Problemen führen. Einen Weg zu finden, der sowohl die Qualität als auch die Tranparenz und Meinungsfreiheit gewährleistet, ist mehr als schwierig.
Zu 4.) Kein Bedarf, dem etwas hinzuzufügen…
Zu 5.) Nein. Das würde ich Euch niemals vorwerfen. Das ist ein Vorwurf, der manchen (!!!) Leser trifft, das ist ein Vorwurf, der bestimmte Gruppen von Menschen trifft, die weitestgehend meinen “politisch links” zu sein, die glauben, besonders schlau zu sein, nur weil sie etwas Kritik lesen/hören und darauf hin sagen: “Genau. So und nicht anders.” Erschwerend: Die Tendenz solcher Leute, diese Kritik dann blind weiterzutragen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob die Kritik berechtigt war oder ob sie aus einem Blickwinkel erfolgt ist, der – sagen wir (nur beispielhaft, allgemein ausgedrückt) – ein eher eingeschränkter Blickwinkel ist.
Ergebnisoffene Kritik an der Kritik. Das ist die entscheidende Notwenigkeit um klar sehen zu können.
so weit
HG
Mir scheint dieser Beitrag hier einzig und allein einen Zweck erfüllen zu wollen. Kritik an etwas üben, das von vielen hochgejubelt wird. Denn wenn man zu einer lobenswerten Aktion die Gegenposition einnimmt, steht man als äußerst rebellisch dar, was selbstverständlich Aufmerksamkeit erregt. Wie du selber sagst, bedarf es mehr, den BildBlog “auszuhebeln”. Aber dieser Versuch hier ist nicht mal ein Anfang.
Auf jeder deiner fünf Fragen kann ich so antworten, dass ich die gegenteiligen Antworten des Verfassers darlege. Und ich stehe auch noch hinter diesen Antworten, da sie meine Meinung widerspiegeln.
1) Der BildBlog ist nicht dafür da, die Arbeit der Bildzeitung zu loben. Das wäre auch reichlich unsinnig. Warum sollte man drei kritische Beiträge veröffentlichen und nebenbei noch sagen, dass die BILD auch mal was richtig gemacht hat. Das ist die Aufgabe der BILD-Zeitung. Sie hat vernünftig zu recherchieren und Wahrheiten niederzuschreiben. Das muss nicht gelobt werden. Darüber hinaus verstehe ich nicht, warum du diesen wahnsinnig sinnlosen Artikel von Bildonline preist. Nur weil der wichtigste Mensch der Welt (Kai Pflaume) bei der wichtigsten Sendung der Welt (TV Total) weigert, sich weigert, sich für das Fernsehn und die Einschaltquoten zu prostituieren? Tut mir leid! Das ist keines Lobes wert. Und besonders humorvoll oder extravagant geschrieben ist der Artikel auch nicht.
2) Wurde auch von dir schon relativiert, indem du gesagt hast, “daß Kommentare auf vielbesuchten Webseiten zu gewissen Problemen führen” wird/kann. Dem kann ich nichts hinzufügen.
3) Ja, die Masse der Deutschen ist so doof, wie BildBlog suggeriert. Ich bin der Meinung, dass das Proletariat Deutschlands (das ich für die dominierende Schicht in der BRD halte) überwiegend die Meinungen der BILD übernimmt und verbreitet. Die BILD-Zeitung betreibt einen Publizisimus auf unterstem Niveau und eine Auflage von knapp 4 Millionen Exemplaren bundesweit spricht für die Dummheit der Deutschen. Auch, dass das Boulevardblatt BILD das meistzitierte Medium ist, sollte einem zu denken geben.
4) Da hat lupo schon alles gesagt.
5) Ich halte die Kritik von BildBlog für alles andere als “blind”. Im Gegenteil: BildBlog macht sich die Mühe, alle zu kritisierenden Themen nocheinmal nachzurecherchieren. Er übernimmt damit die Aufgabe, die die BILD nicht in der Lage war umzusetzen. Blind wäre es, wenn man oberflächlich argumentieren würde. Das tut BildBlog jedoch nicht.
Mir ist es übrigens auch lieber, dass sich die Leute, die BildBlog lesen, als “Könige” fühlen, als dass Leser der BILD-Zeitung mit ihren Stammtischbrüdern eine Meinung über die Themen bilden, die am gleichen Tag publiziert wurden. Denn da kommt nur ohnehin nur der gleiche Unsinn bei raus: Die Amerikaner seien alle böse, Der Iraker sitzt auf UNSEREM Öl, alle Politiker haben keine Ahnung und sind opportunistisch.
Deswegen sollte man BildBlog als das was es ist respektieren und nicht gleich wieder alles schlecht reden, nur um ein Opponent zu sein.