Monthly Archive for November, 2005

Die Krise der Musikindustrie

Ein interessanter Artikel bei der Netzeitung. Vor allem interessant:

“Es ist nötig, das Internet wie das Radio zu behandeln. Man gibt Musik gratis heraus im Bewusstsein, dass es die Musikverkäufe steigen lassen wird”

Zwar gehöre ich zu den 6 Prozent, die für Musikdownloads zahlen (iTunes), aber natürlich würde ich mich sehr freuen, dieses oder jene Lied auch mal kostenlos zu laden. Als Rezensionsexemplar – versteht sich von selbst… ;-)

Über Bildblog – ein contra

Es muß Ende Juni gewesen sein, da hatte ich bereits vor, an dem strahlenden Image von BILDblog zu kratzen. Ich vermag nicht mehr zu sagen, um welches Thema es damals ging – eins ist mir aber seither immer im Bewußtsein geblieben: So über-toll sind sie nicht. Und die Leser von BildBLOG (jepp – absichtlich so geschrieben, das sei dem aufmerksamen Beobachter versichert) halten sich gerne für die klügsten und kritischsten, die diese Welt gesehen hat.

Es ist müßig, sich mit BildBLOG auseinander zu setzen. Es ist müßig, weil die Argumentation sehr vielschichtig verläuft. Weil jeder Versuch meinerseits so ausufert, so daß niemand den Eintrag bis zum Ende lesen würde. Daher hier ein neuer Versuch. Ich stelle einfach mal ein paar Fragen, die jeder für sich beantworten kann. Und vielleicht ergibt sich in den Kommentaren eine kleine Diskussion darüber, was ich sehr begrüßen würde.

  1. Warum werden gute Artikel (zumindest auf BILDonline) nicht erwähnt? Wie beispielsweise der Artikel über das Verhalten von Kai Pflaume in der Turm-Spring-Show von Stefan Raab (unbedingt lesen. Einige Sätze sind fantastisch!)? Ergo: BildBLOG kennt kein Lob.
  2. Warum kann man Artikel auf BildBLOG nicht kommentieren? Sich zum Beispiel auf die Technik (von wegen langsamer Server) herauszureden ist wäre eins: unredlich, und wird würde nicht akzeptiert.
  3. Ist die Masse der Menschen wirklich doof, wie manche Einträge auf BildBLOG suggerieren?
  4. Sind alle Fehler, die BildBLOG moniert wirklich so tragisch?
  5. Ist einfache Kritik am offensichtlichen wirklich so toll, daß wir uns als die Könige betrachten dürfen? Kritik ist wichtig, aber blinde Kritik ist vor allem eins: gefährlich.

Weder ist Bild toll, noch will ich sagen, daß BILDblog per se schlecht ist. BildBLOG täte nur gut daran, etwas ausgewogener zu berichten. Und vor allem folgendes verstehen: “offensichtlich unwahr” bedeutet eben nicht “absolute und unumstößliche Wahrheit” (Vor allem das zweite Zitat und der dazugehörige Kommentar). “Offensichtlich unwahr” wäre zum Beispiel zu behaupten, die Erde bestehe zu 90% aus Plutonium. Hingegen wäre die Aussage “Wir haben zehn Menschen entlassen. Aber nur deswegen, weil ihre Arbeitsleistung und -qualität nicht gut genug war.” nicht offensichtlich unwahr – es könnte ja sein, daß dem tatsächlich so ist.

Hmm. Jetzt ist das wieder zu lang gewesen. BILDblog ist schon ganz in Ordnung. Man muß schon etwas tiefer kriechen, um diesen Blog auszuhebeln. Ich werds bei Gelegenheit nochmal versuchen. Dann aber kürzer. Versprochen.

Update: Für ein bißchen Material darüber, wie schwer es heutzutage ist, über gut und schlecht zu urteilen, informiere man sich auf folgenden Internetseiten:

Geheime CIA-Gefängnisse!

Die derzeitige intensive Berichterstattung über CIA-Gefängnisse, in denen Terrorverdächtige gefoltert werden (sollen), gehen auf einen Bericht der Washington Post vom 2. November 2005 zurück. Und wie immer, wenn solche Machenschaften auffliegen, ist die Aufregung groß. Zu groß vielleicht. Und – betrachtet man die Vergangenheit – manch einer erscheint in sehr schlechtem Licht.

Warum? Aufschlußreich ist die Frontal21 Sendung vom 1. Februar 2005. Der Titel des Beitrages: “Entführt und misshandelt – Ein Deutscher in den Fängen der Geheimdienste”. Ein Bericht über Khaled el Masri, der behauptet hatte, er sei entführt worden. In den letzten Monaten berichtete Frontal21 immer wieder über diesen Fall. Eine Auswahl:

Es war also längst bekannt, daß es solche Machenschaften der CIA gibt. Passiert ist nichts. Jetzt dafür um so mehr.

Was bleibt ist ein fader Nachgeschmack. Offensichtlich gibt es in Deutschland den “investigativen Journalismus” durchaus. Eine Wirkung hat er nicht mehr. Im Zeitalter des Internets, und der immer währenden Tagesaktualität vergessen manche Magazine (insbesondere der Spiegel) offensichtlich, daß es genügend Themen gibt, die sich nicht fassen lassen, wenn man nur den einzelnen Tag betrachtet. Für manche Ereignisse braucht es eine Perspektive, die insbesondere durch die Eigenschaft “Langfristigkeit” beschreiben läßt. Ein Umdenken wird nicht stattfinden. Im Gegenteil:

Die politischen Magazine auf ARD (Monitor, Panorama, Fakt, Report) werden im nächsten Jahr gekürzt. Der Spiegel hält sich weiterhin für ein qualitativ hochwertiges Nachrichtenmagazin – was ja auch nicht ganz falsch ist. Und dennoch nicht mehr ganz richtig. Zu sehr entwickelt sich der Spiegel zu einem tagesaktuellen Magazin, das mehr und mehr die langfristigen Prozesse aus dem Blick verliert. Keine Frage, gut ist der Spiegel immer noch, aber er könnte besser sein.

Hilfe für Afrika – Teil 2

Ein Spiegel-Artikel mal wieder. Diesmal einer, der sich (mal wieder oder auf englisch) mit Entwicklungshilfe auseinander setzt. Und er stellt uns (dem Westen) ein schlechtes Zeugnis aus. Oh, ein Segen für alle, würde man kontolliert die Entwicklungshilfe zurückfahren – schließlich ganz abschaffen. Der Zeitraum: So bald wie möglich! Anderenfalls hat Afrika wohl nie die Chance, einen gesunden Wohlstand zu entwickeln.

Nebenbei: Die Gelder zur Entwicklungshilfe sollte man lieber in ein paar Geheimdienstkommandos stecken, und diesen den Befehl geben, die ganzen korrupten Staatschefs abzusetzen. Das wäre Hilfe, die sich wirklich lohnen könnte, wenn man ein paar Bürger des Landes hat, die der Demokratie in Afrika ein erstes Leben einhauchen…

Und die Zukunft des Datenschutzes?

Vor ein paar Tagen schon hatte ich einige Bedenken zum Thema “Innere Sicherheit” angeführt. Interessant ist vielleicht ein Blick in die Zukunft, der – einmal mehr – von Spiegel online getätigt wurde. Zusammenfassend kann man behaupten, daß der Datenschutz wie immer als Stein im Weg gesehen wird. Zitat:

In Schleswig-Holstein ist die CDU derzeit bemüht, eine automatische Kennzeichenerfassung aufzubauen und die Videoüberwachung auszuweiten. Die Zeit für polizeiliche Alleingänge auf Länderebene könnte allerdings schon bald vorbei sei. “Es gibt die Tendenz, dass die Vielfalt der Polizeigesetze durch eine einheitliche Einfalt ersetzt wird”, sagt Thilo Weichert. “Einfalt in dem Sinne, dass rigide Regelungen durch das BKA oder die Bundespolizei Realität werden.” Anscheinend gibt es in den nächsten Jahren genug Arbeit für die Datenschützer und die Opposition im Lande. [Anmerkung: Hervorhebung von mir...]

Let’s rock’n'roll. Frohe Zeiten also. Wenn es nur ein Witz wäre…

You like to blog?

Yes I want to blog! Hello wordpress.com!

Kostenfrei bloggen, mit Wordpress, und keine Voraussetzungen. Einfach anmelden, bloggen. Fantastisch!

Universitätskulturen im Vergleich

Manch einer mag diesen Spiegelbericht bereits gelesen haben. Allen anderen sei er empfohlen, zumindest, wenn sie sich mit dem Studium und dessen Zukunft in Deutschland auseinandersetzen möchten.

Was mich dabei so sehr bedrückt, ist einfach, daß der Weg Deutschlands wohl ganz anders aussehen wird. Ohne zu erkennen, daß wir einen Personenkreis in unserer Gesekkschaft haben, der rein kapitalistisch argumentiert (frei nach dem Motto: “Die Universität ist ein Unternehmen!”) und großen Einfluß auf Bürger und Politiker hat, stürzen wir uns auf ökonomische Zusammenhänge und Worthülsen – ohne wirklich zu verstehen was gemeint ist.

Und so wird die Uni in ein Unternehmen umgebaut, das Studium mehr und mehr als Ausbildung angesehen, und die wissenschaftliche Betätigung bleibt auf der Strecke. Daß es auch anders geht, beweist der Artikel vom Spiegel, und vielleicht könnte sich Deutschland doch wieder ein wenig zurückbesinnen.

Goofy wird Kanzler

Zumindest, wenn es nach den Lesern dieser Webseite geht. Und wie es die Zeit und das Schicksal wollen, so wird doch “das Merkel” Kanzler(-in)… Immerhin hat ein Leser jenes richtig erkannt, und wäre dies eine Wette gewesen, so hätte er oder sie vielleicht ein wenig Geld verdienen können.

Goofy hatte aber in der politischen Diskussion um den Kanzlerjob doch vergleichsweise wenig Aussicht auf Erfolg. Schade, er hätte die Herzen der Deutschen sicher erobern können. Ob Frau Merkel dieses Erbe antreten kann, scheint noch in den Sternen zu stehen.

Und ja. Ab sofort wird in diesem Weblog werde ich nur noch von Frau Merkel gesprochen sprechen. “Das Merkel” hat als Formulierung ausgedientder Wahlkampf ist ja vorbei (Anmerkung: Man beachte 2008 und 2009 – ein Schelm, wer in diesen Jahren an ernsthafte politische Arbeit denkt…).

Und gleich zur nächsten Umfrage. Sie setzt sich diesmal mit einem gänzlich unpolitischen Thema auseinander – naja, alles kann politisch sein. Die Frage lautet: “Wenn ich könnte, würde ich…”. Klingt spannend, ist es auch. Nicht nur, dß jeder den Satz verfolständigen kann, sondern er kann auch anderen zustimmen. Fabelhaft.

Die nächste Stasi?

Und so frage ich mich, was mit Deutschland – und seiner Diskussionskultur – los ist. Wie gerne kraulen wir uns, wenn wir über den Osten (also die Zone =:D ) reden: “Nein wie schrecklich. Die Stasi hat ja alle überwacht! Daß sowas überhaupt möglich ist!” – “Genau! Im Westen hätts das nicht gegeben!” Und so geht es fröhlich fort. Es wird lamentiert über das totalitäre Regime der DDR, über den Sozialismus und die westliche Selbstbeweihräucherung benebelt die Kombatanten, und bald springen sie auf und schreien: “Oh glorreicher Westen! Du bist so wunderschön!”.

Und sie vergessen dabei, daß die Gefahren heute viel größer sind.

Denn sie haben nicht bedacht, daß die Möglichkeiten der Überwachung heute viel größer sind als es sich die Stasi in ihren kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können: Ab einer gewissen Menge von Informationen sind analoge Informationen (Papier, Gespräche. schriftliche Gesprächsnotizen auf Papier) nicht ernsthaft verwertbar. Es bedarf zu viel Handarbeit, die analogen Informationsfetzen zusammenzusetzen und zu verknüpfen. Hier hilft die digitale Technik: Die Erfassung kann wunderbar fast ohne Zutun eines Menschen erfolgen. Insbesondere im globalen Netz können viele Informationen völlig automatisch erfasst, verarbeitet und gespeichert werden, ohne daß der überwachte auch nur die leiseste Ahnung hat, was gerade passiert.

Alle analogen Daten (Schriftstücke oder Gespräche, was auch immer) dieser Welt lassen sich digital abbilden. Und alle diese Daten lassen sich heutzutage mit “vertretbarer” Fehlertoleranz digitalisieren. Gesichtserkennung, Spracherkennung und Schrifterkennung sind nur einige dieser Beispiele. So gibt es bereits Computerprogramme, die zuverlässig (!!!) erkennen können, ob ein Bild Pornographie ist oder nicht. Spracherkennung ist längst möglich, Texterkennung ebenso (auch wenn diese Produkte nicht gänzlich für eine automatische Überwachung geeignet sind, so lässt sich daran folgendes feststellen: Die Technik ist prinzipiell verfügbar, und wer weiß, was manche Geheimdienste bereits entwickelt haben. Außerdem: Die Technik entwickelt sich ja weiter, die Leistung von Computersystemen steigt auch, so daß es mehr als nur vorstellbar ist, daß mittelfristig die beschriebenen Möglichkeiten zu Tatsachen werden).

Auf die Überwachung von Geldverkehr, Telefonkommunikation, Bewegungsprofile, Reisen und ähnliches möchte ich nicht dezidiert eingehen – klar bleibt aber, daß auch solche “Ereignisse” mit Leichtigkeit übverwacht werden könnten.

Zurück zum Thema. Das allerbeste an digitalen Daten: Sie lassen sich dann auch verwerten und verknüpfen, ohne daß ein Mensch allzuviel zusätzliche Arbeit leisten muß. Menschen müssten in einem solchermaßen technisierten Überwachungssystem nur manche Daten bewerten, und da die meisten Verwertungsschritte automatisiert sind, wäre das sogar leistbar.

Die Gefahren eines solchen Systems scheinen sichtbar. Und dennoch führt der Datenschutz ein Schattendasein. Im Schatten von Terrorgefahr und schwerster Kriminalität (organisiertes Verbrechen, Drogenhandel, Menschenverschleppung, Mord, Kinderpornographie, etc.) ist es natürlich schwer zu vermitteln, auf moderne Ermittlungsmaßnahmen zu verzichten. Das Problem daran ist der unvereinbare Gegensatz von “absoluter” Sicherheit und Freiheit. Was ist wichtiger? Sicherheit? Dann müssen wir auf große Teile von Freiheit verzichten. Oder ist Freiheit wichtiger? Dann jedoch müssen wir akzeptieren, daß Sicherheit nicht in einem absolutem Maß gewährleistet werden kann.

Die Antwort der Meisten: “Ich habe doch nichts getan. Daher kann ich es akzeptieren, wenn der Staat überwacht wie er will. Denn nur so können wir uns vor den Gefahren dieser Welt schützen… Ich habe doch nichts getan!” Sicher. Er auch nicht. Tot ist er trotzdem. Wegen einer Verwechslung. Wie perfekt die Technik auch immer ist, Fehler schleichen sich immer ein.

“Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.” (Benjamin Franklin). Oder er verliert gleich beides.

Klingt gut

Die Netzeitung stellt ein Buch vor, das soweit ganz gut klingt. Vielleicht sollte ich mal eine Blick riskieren…