Provokationen und Reaktionen

“Und in diesem Buch müßte sie nur auf einem Himmelbett liegen, umgeben von einigen Männern…”

Eine Unterhaltung zweier Jugendlichen in einer Kneipe, Ausgangspunkt so mancher Orgien und Parties. Gut besucht an einem werktäglichen Nachmittag. Es schien sich aber mehr um einen Feiertag zu handeln – andererseits war es als Beweis der studentischen Kultur des Ortes anzusehen. An einem quadratischen Tisch saßen sie, aufgrund des geringen Platzangebotes dicht gedrängt mit weiteren Tischen, auf denen sich hauptsächlich Milchshakes und einige der angebotenen Biersorten befanden. Der eigene Tisch bot gerade genug Platz für große Kaffeetassen und einen großen – vollen – Aschenbecher.

“Korrekt. Das wäre der Ausgangspunkt eines Bestsellers, wie ihn die Literaturgeschichte noch nie erlebt hat. Vor allem aber müßten die Männer – ein paar Frauen wären gleichsam entschlossen in dem Zimmer – bereit sein, diese Frau einfach nur durchzuvögeln…”

Das letzte Wort, mit Bedacht lauter, für alle klar vernehmbar, ausgesprochen trat eine Lawine los. Wie Wind durch Büsche weht, Zweige in Wallung bringt, so erzwang dieser Orkan wildes Kopfwirbeln. Nervös, gerade das weibliche – gezwungenermaßen dazu erkorene – Publikum, zupfte sich am Ärmel des zu kurz geratenen Tops.

“Nein”, darum ginge es dem Manne nicht, zischte es aus der Richtung des einen Nachbartisches. Vor allem würde er seine weibliche Begleitung eher freundschaftlich betrachten, wiewohl er innerlich diesem Worte mit seiner heimlichen Liebe neben ihm nachgehen wollte. Die Bedeutung erkunden. “Nein. Was für Schweine!”, flüsternd entglitt es seiner Zunge.

“Unglaublich. Wie kann man nur…?”, leise säuselnd empörte sich die Anstandsdame, unwissend, daß ihr Begleiter die Worte aus ihrem Mund wie seinen eigenen Liebessaft aus ihrem Mund herauströpfelnd wahrnahm. Ihre eigenen Wünsche hatte sie nun im Stich gelassen. Sie war interessiert. Doch Worte des Anstands hatten längst aus ihrer gegenseitigen, heimlichen Liebe längst einen Ort des Grauens erschaffen. Geheuchelte Freundschaft hatte ihr beider Leben bereits vergiftet. So imponierten sie sich gegenseitig mit Ablehnung.

Auch Sekunden nach dem das teuflische Wort ausgesprochen wurde, wehte es immer noch durch die Luft. Eine weitere Tischgemeinschaft machte sich nun daran, die eigene Unzulänglichkeit zu überspielen.

“Arme Gestalten”, flüsterte eine armselige Gestalt, “Drüber reden, oder es tun. Da liegen Welten dazwischen”

“Die reden schon seit zehn Minuten so einen Müll daher.”, ereiferte sich eine weitere Anstandsdame, längst von Verlangen und Scham zerrissen.

Das Zischeln und Flüstern in der Umgebung ging noch ein wenig weiter, und wendete sich schließlich wieder anderen Dingen zu. Den Übeltätern war die Freude über all diese Reaktionen ins Gesicht geschrieben.

“Gestern mußte ich mal wieder meine Pornosammlung sortieren…” Ein weiterer Anschlag auf willige, und gleichzeitig frigide Existenzen hatte begonnen.

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Nun mal nur so...
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