Ein weiterer Tag ist zu Ende. Immer noch liegt von Jean-Paul Sartre “Der Ekel” nicht fertig gelesen auf einer Seite in der Mitte des Buches umgeschlagen auf Blättern des Chaos. In der Sprache des Buches müsste ich wohl sagen, es existiert auf dem Chaos, und das Chaos existiert. Die Existenz… ein sehr interessanter Ansatz. Ich mag das Buch, weil es ein Eigenleben führt. Es treibt mich durch die Existenz. Sartre muss es beabsichtigt haben, daß Menschen meines Schlages geradezu zwangsläufig das Buch nicht lesen, sondern erleben. Nach der Lektüre von zehn, zwanzig Seiten muss ich schlafen, rauchen, trinken oder essen – vordergründig. Tatsächlich muss ich verarbeiten.
Der Protagonist ist mir ein bißchen ans Herz gewachsen. Er hat die Existenz der Dinge erkannt. Er hat erkannt, wie sinnlos all das ist, was wir betreiben. Und er hat ein bißchen Recht. Aber ist das alles? Existieren wir einfach nur? Hier erscheint mir dann doch ein gesunder Widerspruch zu (man halte sich fest) existieren. Wir existieren zwar, aber ganz sinnlos ist der Kampf den wir führen doch nicht. Sonst könnte ich ja alles hinschmeißen, und mir denken, “Ach, leckt mich doch…”, aber das wäre fatal.
Vielleicht ist das ein guter Gedanke: Ich erkenne nicht an, daß wir einfach nur existieren. Ich glaube noch an einen Sinn, auch wenn mir dieser verborgen bleibt.
Der Spam, per eMail, hat mich aber heute wesentlich mehr beschäftigt. 22 eMails sind heute Spam gewesen. Kein Problem an sich. GMX filtert sehr gut seitdem ich viel Geld dafür bezahle (3 Euro/Monat), und bis hat heute auch keinen Fehler gemacht. In der Formel Eins würde man wohl sagen: “GMX hat einen tollen Job gemacht. Perfekte Arbeit, der Motor hat gestimmt, und die Pace war fantastisch. Sie hatten heute das beste Paket (…)”. Aber ich habe mir dan doch mal die Betreffzeilen angeschaut:
“Thinking of going to the Post Office?”, hmm. Nach kurzer Bedenkzeit: Nein.
“You don’t have to look ridiculous to get a great deal” – Naja. Ich muss also nicht lächerlich ausschauen? Muss ich nicht, kann ich aber, und will ich auch. Great Deal? Großes Geschäft? Großer Drogenhandel? nun, auch hier heißt alles: Nein.
Ich will kein großes Geschäft machen. Früher, ja da wollte ich das. Da war es mein Lebensziel, in die Wirtschaft zu gehen, und den Globalismus für mich nutzen. Kann man ein Leben aufbauen nach dem Motto “Globalismus JA! Wirtschaft, nein Danke!”? Ich glaube das geht. Falsch: Ich bin mir sogar sicher, daß es funktioniert.
Doch die Werbung per eMail war noch nicht zu Ende. Es ging weiter. Sie machen es einem ja nicht einfach zu widerstehen.
“Drive for free today” – Man hat mich ertappt. Umsonst fahren. Hammer. Nur mit was? Mit dem Auto? Das tue ich meiner Umwelt wohl nicht so exzessiv an, als daß es sich lohnen könnte, hier auf “eMail lesen” zu klicken. Und der MVV verschickt keine englischen Mails, und mein Fahrrad ist kaputt. Leider.
“Let us scan your PC for errors” – Was mir hier der “PC Doctor” anbietet, klingt fast zu schön um wahr zu sein. Er macht das alles für mich. Aber ich bin zufrieden, und außerdem steht mein Rechner ja in Karlsruhe, und ich sitze nur an dem meiner Mutter. In mir keimt der Verdacht, er hätte diese Mail nicht explizit an mich gerichtet. Ich rieche ein Falle.
“Adult: What are you Hungry For?” – Ich darbe nach essen. Ich lebe nämlich in Äthiopien, und hoffe auf eine Bohne aus den westlichen Industrieländern. Ich habe mich auf nach München gemacht, und eine Pizza gegessen.
“Looking for Love?” – Ja.